Gestern begann das erste Queer Festival in Sarajevo in Bosnien und Herzegowina mit der Eröffnung einer Ausstellung über queere Kultur und queeres Leben. Die OrganisatorInnen des Festivals wurden bereits im Vorfeld von verschiedenen Seiten angegriffen - unter anderem haben sie Todesdrohungen erhalten und ihre Namen und Adressen wurden in Anti-Queer-Foren im Internet veröffentlicht. Bei der Eröffnung gestern sammelten sich dann etwa fünfzig Hooligans auf der anderen Seite des Flusses und riefen Parolen ("Ich werde deine Mutter in die Vagina ficken" und ähnliches) während auf der Seite der Kunsthalle etwa fünfzig radikale Religiöse mit den ca. 150 UnterstützerInnen diskutierten und sie beleidigten.
Die körperlichen Angriffe begannen als die Leute die Ausstellung verließen. Eine Frau wurde beim Rausgehen ins Gesicht geschlagen und sieben andere wurden auf dem Heimweg bzw. vor ihrer Haustür verprügelt. Vier von ihnen sind heute früh mit gebrochen Nasen und anderen Verletzungen noch im Krankenhaus. Die Polizeipräsenz war moderat mit moderatem Interesse die TeilnehmerInnen des Festivals zu schützen. Acht Leute wurden verhaftet.
Heute früh gab es eine Pressekonferenz. Das Festival sollte vier Tage dauern, aber da die Sicherheit der TeilnehmerInnen nicht garantiert werden könne, beschlossen die OrganisatorInnen das reguläre Programm nicht fortzuführen. Heute Nachmittag gibt es eine Diskussion, wie auf die Situation reagiert werden soll.
Das Leben queerer Menschen in Bosnien und Herzegowina, aber auch auf dem restlichen Balkan ist gefährlich und repressiv. Beim Queer-Festival in Belgrad letzte Woche wurden AktivistInnen auf eine ähnliche Weise angegriffen.
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